Von jedem Internetnutzer existiert ein Dossier

Yvonne Hofstetter (49), Unternehmerin, Autorin und Expertin für Künstliche Intelligenz, sagt im „Thema Vorarlberg“-Interview, dass Internetgiganten längst von jedem einzelnen Internet-User ein eigenes Dossier angelegt hätten. Hofstetter über Smartphones, die „Spione in der Manteltasche“ und naives Unverständnis der Menschen: „Es ist uns überhaupt nicht klar, was da alles vermessen und gespeichert wird.“

Der Mensch sucht nur, was seinem Interesse entspricht. Und an dem, was Sie tun, denken, fühlen und planen, sind Google, andere Suchmaschinen und soziale Netzwerke interessiert. Anhand der Daten, die sie eingeben, werden Sie profiliert. Und wenn Sie einmal profiliert sind, dann weiß man, wie Sie sich in der Zukunft verhalten werden. Man darf sich da keiner Illusion hingeben: Google ist weit mehr als nur eine Suchmaschine. Google ist ein internationaler Konzern, der eine Vielzahl verschiedener Hochtechnologien, auch militärische Technologien, unter einem Dach vereint: künstliche Intelligenz, Militärroboter, Drohnen, Datenbrillen. Google startet im Grunde genommen die Totalüberwachung.

Beinahe jeder hat inzwischen ein Smartphone. Ein Smartphone ist allerdings kein Telefon. Es ist ein Messgerät. Um zu verstehen, wie das funktioniert, kann man sich an der Hurrikan-Forschung in den USA orientieren: Flugzeuge setzen Sensoren ab, die alles Mögliche messen und eine Vielzahl von Daten erheben. Diese Daten werden gesammelt und analysiert, daraus wird eine Wetterprognose erstellt und vorhergesagt, in welcher Geschwindigkeit und Stärke der Hurrikan auf die US-Ostküste treffen wird. Die große Verführung ist nun, das, was bei Naturphänomenen funktioniert, auch auf die Gesellschaft zu übertragen. Dazu braucht man ebenfalls Sensoren. Und im Jänner 2007 hat Apple diese Sensoren über uns abgeworfen – mit der Markteinführung des iPhones. Seither trägt jeder diesen Spion in der Manteltasche freiwillig mit sich herum.

Dass ein Smartphone Kamera, Mi­krofon, Telefon und Geo-Positionssensoren enthält, ist bekannt. Im iPhone und in anderen Smartphones sind allerdings auch Sensoren installiert, an die Sie niemals denken würden. Beispielsweise sind Temperaturmesser enthalten. Töne werden registriert, die unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegen, und die beispielsweise in bestimmten TV-Werbesendungen gesendet werden: Nachdem Sie Ihr Smartphone beim Fernsehschauen meistens neben sich auf dem Sofa liegen haben, kann das Smartphone hören, welche Werbung Sie anschauen, und verknüpft das direkt mit Ihrem Profil. Und: Mit wem Sie telefonieren, wann Sie telefonieren, all das wird ebenfalls mitgeschnitten. Aus diesen Metadaten Ihres Telefonverhaltens wird berechnet, welchen Charakter sie haben. Sind Sie zuverlässig? Haben Sie Depressionen? Da geht es noch nicht einmal um den Gesprächsinhalt, nur darum, um welche Uhrzeit Sie mit wem telefoniert haben. Es ist uns überhaupt nicht klar, was da alles vermessen und gespeichert wird!

Diese großen Datenverarbeitungsunternehmen, diese Internet- und Technologiegiganten, träumen von der globalen Konsumentensteuerung. Sie geben offen zu, dass sie wissen wollen, wer Sie sind, was Sie denken, was Sie fühlen, damit sie ganz gezielt manipulierend eingreifen können – in Ihre Zukunft! Der Konsument soll gesteuert werden. Und wenn Sie Daten von sich preisgeben, machen Sie sich quasi zum Freiwild. Sie überlassen die Rechte an Ihrer Zukunft und Ihrer Selbstbestimmung anderen. Sie geben Ihre Rechte aus der Hand – die Rechte, finanziell souverän zu agieren, sexuell souverän zu agieren, von Algorithmen nicht diskriminiert zu werden. All das geben Sie in die Hände von Technologiegiganten, die dort manipulierend eingreifen. (Auszug)

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